Pfarrkirche St. Michael

Seit drei Jahrhunderten das Zentrum des Dorfes


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Mitten im alten Dorfteil hebt sich die Pfarrkirche von den braungebrannten Holzhäusern ab. Ihre weissen Mauern, der Helmturm, die Ost-West-Ausrichtung bilden einen bestimmenden Kontrast zu den dunklen Gebäuden, die fast alle nach Süden ausgerichtet sind. Die Kirche wurde in den Jahren 1710 bis 1713 erbaut. Vorher waren die Bewohner von Erschmatt, Bratsch und Engersch Pfarrmitglieder der Mutterpfarrei Leuk. Als Kirchenpatron wurde der Erzengel Michael bestimmt.

Altäre

Die feierliche Einsegnung der Kirche war am 2. Juni 1713, allerdings vorerst nur mit provisorischen Altären. Der barocke Hauptaltar und die Kanzel konnten erst 1777 eingeweiht werden, die beiden Seitenaltäre in der heutigen Formen wurden 1840 und 1882 gebaut. Zu den Darstellungen im Altarbild:

  • Oberster Altarteil: Krönung Mariä durch die Heilige Dreifaltigkeit. Links Statue des hl. Josef, rechts Statue des hl. Johannes des Täufers.
  • Hauptteil in der Altarmitte: Erzengel St. Michael
  • Unterster Teil: Kaiser Karl der Grosse (links), Tabernakel, hl. Mauritius (rechts).

 

Orgel

Die Kirche von Erschmatt besitzt zwei Emporen, die obere Empore ist für die Orgel und den Chor, die untere Empore für die Kirchgänger. Die bestehende Kirchenorgel wurde von J.H. Füglister, Grimisuat im Jahre 1984 gebaut. Die Details zur Orgel finden sich im digitalen Orgelverzeichnis Schweiz und Liechtenstein von Peter Fasler.  Detailsinformationen 

Die Glocken von Erschmatt

Grosse Glocke

Glocke 1 "Die grosse Glocke": Ø 890 mm / 450 kg / Ton A1 / Giesser (?Keiser Zug) 1770

Glocke 2 "Alte Glocke": Ø 700 mm / 200 kg / Ton Cis2 / Giesser Keiser 1757

Glocke 3 "Michaelsglocke": Ø 580 mm / 120 kg / Ton E2/ (?Giesser Keiser Zug) 1784

Glocke 4 "Ave-Glöcklein": Ø 500 mm / 80 kg / Ton Fis2 / Giesser Keiser Zug 1757

Im Jahre 1713 schlossen die drei Gemeinden: Ersch, Bratsch und Engersch mit dem Glockengiesser Ludwig Keiser von Zug einen Vertrag. Darin übernahm Keiser die Verpflichtung , «Glocken zu gießen mit einem musikalischen Ton, sodaß die eine mit der anderen übereinstimmen tut». Der Glockengießer Keiser ließ sich Zeit. Erst im Jahre 1757 goss er zwei Glocken für die Pfarrkirche. Noch im selben Jahre wurden diese im Pfarrkirchturm aufgehängt." (aus der Pfarreichronik von Pfr. Peter Jossen, 1960)

Glockengeläute

Die Menschen haben immer nach Möglichkeiten gesucht haben, über weite Distanzen zu kommunizieren. Metall stellte sich bald als das ideale Material heraus. Es gab einen lauten, weitreichenden Ton von sich. So war es dann nur noch ein kleiner Schritt bis zur Glocke. ‒ In einer Zeit, da es noch kein Telefon und kaum Uhren gab waren es die Glocken, die die Informationen weitertrugen. Sie gaben den Tagesrhythmus vor, informierten die Bevölkerung über wichtige Ereignisse, schlugen Alarm und riefen die Gläubigen zum Gottesdienst. Die Welt ist laut geworden und die Stimmen der Glocken werden kaum noch gehört, ja sogar manchmal als störend empfunden.

Arnold beim Läuten

Unterschiedliche Glockengeläute

Das Glockengeläute richtet sich nach der kirchlichen Lithurgie. Je nachdem, ob an einem Werktag oder Sonn- und Feiertag zum Kirchgang gerufen wird, ob bespielsweise eine Taufe, Heirat oder Begräbnis ausgekündigt wird, ertönt ein jeweilig spezifisches Glockenspiel.

  • Wenn die Sonntagsmesse angekündigt wird, läuten in der Regel alle Glocken aufeinander abgestimmt.

  • Bei Feiertagen und bedeutsamen Kirchenanlässen tönt aus dem Erschmatter Kirchturm ein rhythmisch-melodisches Glockenspiel (Carillon; im Dialekt "Gglogguspill"). Der Carilloneur Arnold Steiner bewegt mittels Seilen und Umlenkrollen die Glockenschwingel, die dann an die nicht bewegte Glocke anschlagen. Es entsteht eine charakteristische Melodie aus dem Zusammenspiel der vier Glockenschwingel.

  • Vom Gründonnserstagabend bis zum Karsamstag schweigen die Glocken zur Erinnerung den Kreuzestod Jesu. Anstelle des Geläutes hören wir ein Klappern («Rällu»), das den Tagesbeginn, Mittag und den Beginn der kirchlichen Feiern an diesem Tag ankündigt.

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Als sich Erschmatt und Bratsch uneins waren ...

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Das Pferd "Kali" als Schiedsrichter

Erschmatt und Bratsch entschieden sich vor mehr als 300 Jahren zum Bau einer gemeinsamen Kirche. Sie waren sich aber über den Standort nicht einig, denn jede Ortschaft wollte die Pfarrkirche im eigenen Dorf haben. Bratsch zählte damals mehr Einwohner, Erschmatt brachte als Argument die geeignetere Lage ins Spiel. Man einigte sich nach der Legende, dass ein unwissender Dritter über den Standort entscheiden solle: Die Wahl fiel auf das Pferd «Kali». (Quelle: Jossen, 1960)

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