09.07.2021 Sajanth Subramaniam

Exkursionswoche Ackerbegleitflora im Wallis

Impressionen aus einem Dorfrundgang durch Erschmatt


Zwischen sonnengebräunten traditionellen Dorfhäusern und hellen Roggenfeldern auf 1500m - Erschmatt ist ein klassisches Walliser Bergdorf wie man es sonst so oft von malerischen Darstellungen vom Leben in den schweizer Alpen kennt. Man muss sich nicht lange zwischen den engen Dorfgassen schlängeln bis es einem dämmert, dass hinter den schönen Fassaden auch eine lang zurückgreifende Kultur und Geschichte stecken muss. Dieser Neugier wollten wird auf den Grund gehen und hatten das Glück mit Edmund einen Guide an unserer Seite zu haben, der das Dorf in- und auswendig kennt.

Begonnen hat die Führung mit dem Wahrzeichen von Erschmatt - dem Roggen und den ikonischen terassierten Roggenfeldern am östlichen Hang. Schon bei der Fahrt von Leuk nach Erschmatt fallen einem die Werbetafeln mit dem Spruch "Rogg'n Roll" auf, welche auf die im Sommer regelmässig stattfindenden Events (https://www.erschmatt.ch/entdecken/) hinweisen.

Während der Anbau des Getreides heute in erster Linie der Aufrechterhaltung einer langen Tradition diene, wird uns die zentrale Rolle, welche die resistente Pflanze anno dazumal gespielt hat, bei einer kurzen Reise durch die Geschichte des Dorfes eindrücklich erklärt. Unterstützt durch Luftaufnahmen, Landkarten und nicht zuletzt dem charmanten walliser Dialekt, erhalten wir einen authentischen Einblick in die Vergangenheit und Lebensweise der Bewohner von Erschmatt.

Was einem auch sofort ins Auge sticht sobald man sich genauer umschaut, sind die markanten grossen Felsen, die sich überall verteilt im Dorf befinden. Einen findet man in der Nähe vom Dorf-Lädeli, imposant eingeklemmt zwischen zwei Häusern. Einen anderen - Hügostein getauften Felsen - findet man direkt nördlich über dem Dorf. Wir erfahren, dass dieser Stein ein Relikt aus der letzen Eiszeit ist - einer Zeit, als ein riesieger Gletscherkomplex das Rhonental so geformt hat wie wir es heute kennen und bestaunen.

Leider ist die Geschichte dieses Dorfes nicht nur geprägt vom idyllischen Bund zwischen Mensch und Berg, sondern man findet auch Zeugnisse von den Schattenseiten des menschlichen Zustands. Erschmatt blieb, so wie viele andere Walliser Bergdörfer, nicht verschont von napoleonischen Vormärschen um Ende 18. / Anfang 19. Jahrhundert. Nicht nur lokale Sagen und Geschichten überliefern dieses einschneidende Erlebnis, sondern, wenn man genau hinschaut, findet man auch physische Spuren von der Nacht, in der die Revolutionstruppen durch die Gassen von Erschmatt marschierten.

Zum Ende der Führung kehren wir noch einmal zum Roggen zurück, oder genauer, dessen Weiterverarbeitung.  Wir besuchen die Backstube in der seit 400 Jahren nach derselben Tradition Roggenteig zubereitet und gebacken wird. Einmal im Jahr wird der grosse Ofen noch befeuert und ein Teil der Dorfbewohner trifft sich zum gemeinsamen Brotbacken. Solange der Ofen heiss ist, wird Tag und Nacht gebacken - ein geselliger Anlass, wie Edmund uns versichert. In der kleineren Backstube vis-à-vis werden regelmässig Brotbackkurse angeboten.

In diesem kurzen Blogbeitrag haben wir längst nicht alles erzählt was wir bei der Führung und der Exkursion gesehen, gelernt und erlebt haben. Falls der Bericht aber eure Neugier geweckt hat, dann können wir euch eine Führung durch Erschmatt nur wärmstens ans Herz legen!

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