Carillon und mehr – Erschmatt glockt

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Die vier Glocken im Kirchturm von Erschmatt

Aus dem Buch von Jossen, Peter (1960). Nach 250 Jahren. Pfarreigeschichte von Erschmatt, Bratsch, Niedergampel, verfasst von Peter Jossen, Pfarrer in Erschmatt. Visp: Neue Buchdruckerei, S. 19-20:

Im Jahre 1713 schlossen die drei Gemeinden: Ersch, Bratsch und Engersch mit dem Glockengiesser Ludwig Keiser von Zug einen Vertrag, Darin übernahm Keiser die Verpflichtung auf sich, «Glocken zu gießen mit einem musikalischen Ton, sodaß die eine mit der anderen übereinstimmen tut». Der Glockengießer Keiser ließ sich Zeit, seinen Verpflichtungen nachzukommen. Erst im Jahre 1757 goß er zwei Glocken für die Pfarrkirche von Erschmatt. Noch im selben Jahre wurden diese im Pfarrkirchturm aufgehängt; Peter Ludwig Keiser händigt noch im selben Jahre der Pfarrei die Quittung für die bezahlte sogenannte alte Glocke aus.

1. Alte Glocke: Diese hängt auf der Nordseite des Turms.

Sie trägt die Aufschrift:

Gelobt sei Jesus Christus! Amen. Peter Ludwig Keiser von Zug hat mich gegossen anno 1757.

Diese alte Glocke ist mit drei Bildern verziert: Christus am Kreuz; Maria zertritt der Schlange den Kopf; St-Mauritius.

2. Das Ave-Glöcklein: dieses hängt auf der Südseite des Turms ganz oben. Es trägt die Aufschrift:

Ave Maria gratia plena Dominus tecum, d.h. gegrüßt seist Du Maria, du bist voll der Gnade, der Herr ist mit dir.

Anno 1757.

Auch dieses kleinste Glöcklein ist mit zwei Bildern verziert und zwar mit denselben wie die alte Glocke:

Christus am Kreuze; Maria zertritt der Schlange den Kopf.

3. Die große Glocke: Diese hängt mitten im Turm. Sie trägt die Aufschrift:

Patrina: Maria Katharina Balet. Diese war Patin.

Sit nomen Domini benedictum!

D.h. Der Name des Herrn sei gepriesen!

Anno 1770.

Wahrscheinlich stammt diese Glocke nicht mehr vom Glockengießer Keiser, da der Vertrag mit ihm schon auf das Jahr 1713 zurückgeht. Diese Glocke trägt wieder vier Verzierungen: Christus am Kreuz; den Namenszug Jesu: JHS ; Maria; den Erzengel Michael.

4. Die Michaelsglocke: Diese hängt auf der Südseite des Turms unten. Sie trägt die Aufschrift:

Matrina: Maria Josepha de Lawala. Diese ist Patin.

Sancte Michael, ora pro nobis!

D.h. Heiliger Michael, bitte für uns!

Anno 1784.

Dies ist das jüngste und zweitkleinste Glöcklein im Turm. Es trägt wiederum vier Verzierungen: Erzengel Michael; St. Theodul mit der Jodernglocke; Maria; Christus am Kreuze.“

Ergänzenden Angaben der Joh. Muff AG, Kirchturmtechnik:

Früher hatte jeder Glockengiesser seine eigenen, speziellen Ornamente zum Verzieren der Glocken. Die „Dekoration“ Ihrer Glocken ist eher aussergewöhnlich und in diesem Sinne speziell. Zu dieser Zeit wurden die Glocken vor Ort gegossen. Der Glockengiesser Ihrer Glocken stammte aus dem Kanton Zug. Er reiste für das giessen ins Wallis. Glocken von Giessern aus dem Kanton Zug sind im Wallis rar.“

Die Daten der Glocken in der kath. Kirche Erschmatt:

Glocke 1 Ø 890 mm 450 kg Ton b1 Giesser Keiser Zug 1770

Glocke 2 Ø 700 mm 200 kg d2 fremd 1757

Glocke 3 Ø 580 mm 120 kg fis2 Keiser Zug 1784

Glocke 4 Ø 500 mm 80 kg gis2 fremd 1757

[Information von Oskar Näpflin und Jeannette Häfliger, Joh.Muff AG, Triengen]